Juristischer Wildwuchs bei Sportwetten
Die deutsche Torwart-Ikone warb jahrelang für den Sportwettenanbieter Tipico.
1. Januar 2008
Online kann man so auf bestimmte Ereignisse wetten. Dabei geht es nicht nur um das nächste Tor, sondern auch um Entscheidungen wie den nächsten Einwurf oder die nächste Ecke. „Das treibt die Kunden förmlich in die nächste Wette und ist extrem suchtfördernd“, sagt Voigt. „Die Sportwettenanbieter haben viel dafür getan, dass die Leute einfach nicht aufhören konnten zu spielen, das ist der entscheidende Punkt.“ Seit Jahren steigt die Zahl der Glücksspielsüchtigen. Aktuell liegt sie bei 1,3 Millionen Menschen.
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Gleichzeitig eilen die Wettanbieter von Rekordgewinn zu Rekordgewinn, wie der Suchtbeauftragte der Bundesregierung, Burkhard Blienert (SPD) unserer Redaktion schildert. „Allein in Deutschland verlieren Spielende bei Sportwetten in einem Jahr mehr als 1,4 Milliarden Euro“. Blienert fordert daher strengere Werberegeln für Sportwetten. Am bundesweiten Aktionstag gegen Glücksspielsucht am 24. September 2025 wurde vor dem Europäischen Gerichtshof eine Klage gegen den Sportwettenanbieter Tipico verhandelt (Az.
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Zwar steht das Urteil noch aus, doch die Hinweise aus der Verhandlung lassen erkennen, dass der EuGH das deutsche Verbot von Online-Sportwetten ohne gültige Lizenz wohl als vereinbar mit europäischem Recht ansieht. „Das Vertrauen in eine verbraucherfreundliche Entscheidung des EuGH im Sinne des Spieler- und Jugendschutzes ist durch die heutige Verhandlung noch gewachsen“, erklärt Thomas Sittner von CLLB Rechtsanwälte. Ein entsprechendes Urteil könnte zahlreichen Spielern in Deutschland ermöglichen, ihre Verluste aus Online-Sportwetten zurückzufordern, sofern der Anbieter keine gültige Lizenz besaß. Zum Hintergrund: Nach dem Glücksspielstaatsvertrag waren Online-Glücksspiele in Deutschland bis zum 1. Juli 2021 grundsätzlich verboten. "Ihre Wette in sicheren Händen", versprach Kahn - und so begann Keller 2015 mit Sportwetten. Am Ende hatte er mit Sportwetten und Glücksspiel rund 80.000 Euro verloren. Jetzt will Keller (Name geändert) sein Geld vom größten deutschen Sportwettenanbieter zurück - und nicht nur er: "6.000 Klagen - eher mehr" gebe es, schätzt Rechtsanwalt Achim Görg aus Ludwigsburg. Er und andere Anwälte der Klagenden schätzen den Gesamtumfang der Klagen auf bis zu 150 Millionen Euro. Vor Gericht hat Michael Keller Recht bekommen.
- Tipico ist in Deutschland legal und besitzt eine Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL).
- Die Wettanbieter-Lizenz unterliegt strengen gesetzlichen Auflagen zum Spieler- und Jugendschutz.
- Tipico darf Sportwetten sowohl online als auch in stationären Wettbüros anbieten.
- Die Legalität bezieht sich auf Sportwetten, Glücksspiele wie Casino sind in separaten Lizenzen geregelt.
Der Vertrag sei "nichtig", denn als er wettete, hatte Tipico in Deutschland gar keine Lizenz für Sportwetten. Doch es gibt viele solcher Urteile, nicht nur gegen Tipico - denn zwischen 2012 und 2020 hatten die Anbieter von Online-Sportwetten und Online-Glücksspiel in Deutschland keine Lizenzen und es gab keinen umfassenden Spielerschutz. Tipico bestreitet, sich rechtswidrig verhalten zu haben- diese Frage werde durch den Europäischen Gerichtshof (EuGH) geklärt und man sehe dieser Klärung zuversichtlich entgegen, heißt es auf Anfrage bet live wetten fußball tipps des ARD-Magazins Monitor. Die Höhe des möglichen Schadens von 150 Millionen Euro kommentiert Tipico nicht - man habe dafür aber nach internationalen Standards Rückstellungen von "unter 10 Millionen Euro" gebildet. Also nicht einmal zehn Prozent der geschätzten Schadenssumme.
| Rechtsgrundlage | Zuständige Behörde | Regelungsziel | Wesentliche Vorgabe |
|---|---|---|---|
| Glücksspielstaatsvertrag (GlüStV) | Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) | Kanalisierung auf legale Anbieter | Vermittlung von Sportwetten nur mit Lizenz |
| Rennwett- und Lotteriegesetz (RWLG) | Landesbehörden (z.B. Darmstadt) | Konkrete Lizenzvergabe | Prüfung der Zuverlässigkeit des Antragstellers |
| Interstate Treaty on Gambling 2021 | GGL & Landesbehörden | Spielerschutz & Suchtprävention | Einrichtung von Sperrsystemen (OASIS) |
Und viel mehr Geld ist in der beklagten Tipico-Gesellschaft offenbar auch gar nicht mehr vorhanden. Tipico sitzt im EU-Staat Malta und ist dort zurzeit noch sicher vor den Rückforderungen, denn Malta hat 2023 ein Gesetz erlassen, das zum Schutz der dortigen Glücksspielbranche maßgeschneidert ist: die so genannte "Bill 55". Danach werden Urteile ausländischer Gerichte gegen Glücksspielunternehmen und Sportwettenanbieter nicht vollstreckt.
- Der deutsche Markt ist durch den Glücksspielneuregulierungsstaatsvertrag (GlüNeuRStV) geregelt.
- Die Aufsicht obliegt der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) in Halle (Saale).
- Die Lizenzierung soll fairen Wettbewerb und legalen, kontrollierten Markt sicherstellen.
- Illegale Anbieter ohne deutsche Lizenz werden von der GGL verfolgt und für Spieler gesperrt.
Die EU-Kommission hat ein Vertragsverletzungsverfahren eingeleitet. Am Ende entscheidet der EuGH - und nach Einschätzung der Kläger stehen die Chancen nicht schlecht, dass er die "Bill 55"kippt. Zusammengefasst laufen also gerade zwei Verfahren vor dem Europäischen Gerichtshof, deren Ausgang für Tipico und andere Glücksspielanbieter sehr teuer werden könnten.
BGH-Hammer: Milliarden-Klagewelle zu Sportwetten?
Auch die EU-Kommission äußerte sich in dieser Richtung. Das deutsche bet freiwetten codes Verbot von Online-Sportwetten stehe im Einklang mit EU-Recht. Es diskriminiere keine Anbieter und treffe private wie staatliche Anbieter gleichermaßen. Am deutlichsten brachte es wohl der Generalanwalt des EuGH mit einer eher rhetorischen Frage auf den Punkt: Wenn ein EU-Mitgliedsstaat den Kokain-Verkauf legalisieren würde, müssten dann die anderen Mitgliedsstaaten den Kokain-Verkauf dulden, nur weil ein Fehler in einem Konzessionsverfahren unterlaufen ist? Zudem ließen auch die Richter am EuGH durch kritische Nachfragen Richtung Tipico durchblicken, dass sie das deutsche Verbot für rechtmäßig halten.
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Schließlich sei das Verbot bekannt gewesen und dennoch habe Tipico jahrelang ohne die erforderliche Erlaubnis Online-Sportwetten in Deutschland angeboten. Insgesamt zeichnete sich ab, dass der EuGH der Auffassung des BGH folgen wird, dass Online-Sportwetten in Deutschland ohne die erforderliche Lizenz verboten waren und sind. Dementsprechend können die Spieler ihre Verluste aus verbotenen Online-Sportwetten zurückverlangen. „Wir sehen unsere Position, dass Spieler ihre Verluste zurückfordern können, wenn der Sportwettenanbieter – ob Tipico oder andere – nicht über die notwendige Lizenz verfügte, gestärkt und blicken einer Entscheidung des EuGH noch zuversichtlicher entgegen“, so Rechtsanwalt Sittner. Der Generalanwalt wird seine Schlussanträge am 11. Versucht Tipico deshalb, das Geld vor den Klägern in Sicherheit zu bringen? Genau diesen Verdacht hat etwa der Branchen-Insider Michael Schmitt von der Online-Plattform "Malta Media", der mit einer Kollegin die Bilanzen verschiedener Tipico-Gesellschaften analysierte.
Klage gegen Tipico:Verlust bei Sportwetten: BGH entscheidet
Dezember 2025 stellen. Mit einem Urteil des EuGH wird dann 2026 gerechnet. Mehrere Tausend Spieler haben Deutschlands größten Sportwettenanbieter Tipico verklagt und teils auch Urteile erwirkt. Doch nach Monitor-Recherchen könnte Tipico das Geld längst in Sicherheit gebracht haben. Seit seiner Kindheit ist der 48-jährige kaufmännische Angestellte Fan des FC Bayern München. Er hat dabei einen Milliardenabfluss aus eben jener Tipico-Tochtergesellschaft entdeckt, die die deutsche Lizenz für Sportwetten hält - und gegen die sich die Klagen der Spielenden aus Deutschland richtet. "Uns ist ganz einfach aufgefallen, dass im Geschäftsbericht von 2024 sehr große Bewegungen waren", so Schmitt. Konkret geht es um die "Tipico Co.
- Die gesetzliche Altersgrenze für die Teilnahme an Sportwetten beträgt 18 Jahre.
- Bei der Registrierung wird die Volljährigkeit per Postident oder Videoident geprüft.
- Werbung darf nicht gezielt Minderjährige ansprechen oder in entsprechenden Medien platziert werden.
- Tipico muss technische Vorkehrungen treffen, um den Zugang Minderjähriger zu verhindern.
", jenes Unternehmen der Tipico-Gruppe, das seit 2020 die deutsche Lizenz für Sportwetten hat. In deren Geschäftsbericht 2024 findet sich eine Dividendenausschüttung von 1,087 Milliarden Euro an die "Tipico Group" - also an die Muttergesellschaft. Das sei nicht illegal, betont Schmitt, aber: "Das deutet darauf hin, dass man hier versucht, eine leere Hülle zu hinterlassen, um zukünftigen Spielerverbindlichkeiten aus bestehenden Urteilen aus dem Weg zu gehen". Monitor hat den Weg der Milliardenausschüttung innerhalb des Firmengeflechts der Tipico-Gruppe nachvollzogen: Von der Muttergesellschaft - der "Tipico Group Ltd." in Malta wurde es offenbar an verschiedene Tipico-Gesellschaften in Luxemburg weitergereicht.
Ende 1990er Jahre
Für Online-Sportwetten gab es allerdings einen Erlaubnisvorbehalt und die Veranstalter konnten schon früher eine Lizenz in Deutschland beantragen. Da aber das Vergabeverfahren unionsrechtswidrig durchgeführt wurde, konnten die Konzessionen zunächst nicht erteilt werden. Daher erhielt auch der Wettanbieter Tipico seine in Deutschland gültige Lizenz erst am 9. Oktober 2020. Der Kläger in dem zugrunde liegenden Fall hatte zwischen 2013 und 2020 über die deutschsprachige Webseite von Tipico an Online-Sportwetten teilgenommen und forderte seine Verluste in Höhe von rund 4.000 Euro zurück, da Tipico im streitgegenständlichen Zeitraum nicht über die erforderliche Lizenz verfügte und die abgeschlossenen Verträge daher nichtig seien.
Aktuelle Kurzmeldungen
Das Fall landete schließlich vor dem Bundesgerichtshof. Der BGH machte zwar deutlich, dass er den Rückzahlungsanspruch des Spielers grundsätzlich für gerechtfertigt hält. Da aber auch europäisches Recht betroffen sei, schaltete der BGH den EuGH ein. Dieser soll klären, ob das nationale deutsche Verbot von Online-Glücksspielen mit dem europäischen Grundsatz der Dienstleistungsfreiheit vereinbar ist, auch wenn das Vergabeverfahren zuvor unionsrechtswidrig durchgeführt worden war. ein Vertrag über Online-Sportwetten nichtig ist, wenn der Anbieter nicht über die bet online wetten sperren lassen erforderliche Lizenz in Deutschland verfügte, allerdings eine Konzession beantragt hatte und das Vergabeverfahren unionsrechtswidrig durchgeführt wurde.
Fazit zum Bwin Wettangebot
das nationale Verbot von Online-Glücksspielen in Deutschland gegen die europäische Dienstleistungsfreiheit verstößt, wenn der Veranstalter der Online-Sportwetten eine Konzession beantragt hatte und das Vergabeverfahren unionsrechtswidrig durchgeführt wurde. Die Verhandlung vor dem EuGH entwickelte sich positiv zu Gunsten der Spieler. So machten die Vertreter Belgiens, Portugals und Griechenlands deutlich, dass sie das deutsche Verbot von Online-Sportwetten für zulässig halten, da es dem Spieler- und Verbraucherschutz diene. Daran ändere auch ein möglicher Fehler im Lizenzvergabeverfahren nichts. Auch wenn der Wettanbieter eine Lizenz in Malta habe, sei ein EU-Mitgliedsstaat nicht verpflichtet, die Genehmigungen anderer EU-Staaten anzuerkennen. Ein Großteil der Millionensumme wurde anschließend an die oberste Konzernmutter "CVC Capital Partners VII" auf Jersey weitergereicht. Die Mehrheitsanteile wurden jetzt auch noch weiterverkauft.
- Spieler müssen sich mit der Videoidentifikation verifizieren, um ein Konto zu eröffnen.
- Es gelten gesetzliche Einzahlungslimits, die monatlich voreingestellt sind.
- Eine Sperrfunktion für Konten ist über die OASIS-Sperrdatei oder direkt beim Anbieter möglich.
- Tipico ist verpflichtet, Spieler auf riskantes Spielverhalten hinzuweisen und Hilfsangebote zu verlinken.
Für Regine Buchheim - Professorin für internationale Rechnungslegung an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin - ist der aufgekommene Verdacht nicht von der Hand zu weisen, auch wenn man die Gründe der "Umstrukturierung" von außen nicht beurteilen könne: "Der Abschluss belegt, dass das Tafelsilber - nämlich die Rechte des Internetauftritts, ein Teil des Kundenstammes, die Software und die Marke - an die Mutter übertragen worden sind. Und das kann ich ja nur einmal im Leben eines Unternehmens machen", so die Expertin gegenüber Monitor.
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